So wird das nichts mit dem deutschen Whatsapp

Die Deutsche Post versucht den Einstieg in den Messenger-Markt. Mit Simsme will sie Whatsapp und dem Facebook-Messenger deutsche Qualitätsarbeit entgegensetzen. Ein im Kern lobenswerter Ansatz, der unterstützt werden sollte.

Leider jedoch scheinen deutsche Ingenieure zwar im Maschinenbau Perfektionisten, in der Programmierung jedoch Dilettanten zu sein. Jedenfalls, wenn es um Usability, also die Schnittstelle Mensch-Maschine geht. Wenn man ein Produkt kopiert, kann man es dabei verbessern oder verschlechtern. Letzteres ist geschehen.

Wie bei Whatsapp wird zur Anmeldung ein sechsstelliger Code per SMS verschickt. Während man von Whatsapp gewohnt ist, dass es nach der Eingabe der letzten Ziffer automatisch weitergeht, muss man bei Simsme erstmal warten. Dann merkt man irgendwann, dass es da ein kleines „weiter“ gibt, das geduldig darauf wartet, berührt zu werden. Dass bereits alle sechs Ziffern korrekt eingegeben wurden, scheint die gute App nicht registrieren zu wollen. Die momentan noch bescheidene Auswahl der Kanäle wird einem ebenfalls nicht leicht gemacht. Wählt man den VDZ (wer außer mir will denn diesen Kanal abonnieren?) erscheint zunächst eine unschöne Bleiwüste mit den Überschriften „Beschreibung“ und „Haftungsausschluss“. Wer sich trotzdem für den Kanal entscheidet, landet dann auf einer Begrüßungsseite, auf welcher der VDZ von der Sie-Ansprache zum vertraulichen Du wechselt. Und dann steckt man fest. Erst mit Tricks gelingt es, wieder zurück in die Kanalauswahl zu kommen, in der es wieder mit dem Du beginnt (und Cosmopolitan einen dann wieder erst sietzt und dann duzt).

Nar klar will ich alle News meines Messengers auch auf dem Sperrbildschirm haben. Wo andere mir dann konkret den Inhalt der Nachricht zeigen, sagt Simsme nur stolz „Neue Kanal-Nachricht“. Und das sechsmal untereinander. Wenn ich dann draufklicke, muss ich jedes Mal wieder neu das Passwort eingeben. Wer sich bei der FAZ einmal für Wirtschaft entschieden hat, kann nicht den Feuilleton zubuchen, sondern nur alles stornieren und neu beginnen. Bequem ist das nicht wirklich.

Wenn das zum Standard für deutsche Wertarbeit werden soll, dann sehe ich schwarz für Industrie 4.0. Vielleicht sollten wir uns mehr auf die Maschine-Maschine-Kommunikation fokussieren.

Nachtrag:

Auch der Twitter-Account SIMSmeApp überzeugt nicht wirklich. Ist es ein Fake-Account? Und der darauf angebene Facebook-Account SIMSme.de scheint wohl auch keinen Spaß mehr gemacht zu haben. Sehr dubios für einen seriösen Markenauftritt.

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Dr. Torsten Schwarz ist Buchautor, mehrfacher Lehrbeauftragter, Privatdozent und gehört laut der Zeitschrift acquisa (Juni 04) zu den Vordenkern in Marketing und Vertrieb. Schwarz ist Herausgeber des Fachinformationsdienstes Online-Marketing-Experts und von Marketing-Börse.de. Bereits 1994 baute er einen der weltweit ersten Webserver auf.